1:0 für wen eigentlich?

Gefühlt war die Juli-Kammersitzung vergleichbar mit einem dieser 2016 Erstrunden EM-Spiele. Es wurde viel im Mittelfeld gefummelt, die Abwehr hat gemauert, das Ergebnis war ein 1:0. Was genauso von einigen meiner Mit-Plenarier kommentiert wurde, als es um den Antrag von Tobias Schütt auf Freischaltung eines Plenar-E-Mail-Verteilers ging. „1:0 für UNS.“  Der Antrag wurde rechtzeitig zur Abstimmung vorsichtshalber vom Präsidium so umformuliert, dass man mit „Ja“ für die Kammer (UNS), also gegen Tobias Schütts Antrag stimmen konnte. Für die Handelskammer „Ja“, dagegen „Nein“. So einfach ist es in der Kammerwelt.

Überraschenderweise kam es tatsächlich zu einer kurzen, konstruktiven Dribbling-Phase bei dem Handelskammer-Projekt zur Kolonialgeschichte, mit einem durchaus erwähnenswerten Ergebnis, dass die Handelskammer die Forschung zur Kolonialgeschichte unterstützen und die Dokumente sogar öffentlich machen will.

Der Punkt Haushalts- und Beteiligungsangelegenheiten versprach anfangs durchaus spannend zu werden. Nachdem dieser mit einer stoischen Gelassenheit – fast boateng-esk – vorgestellt wurde, winkten die Plenarier den Jahresabschluss 2015 mit einem Minus von 5,3 Millionen und einem auf 530.000 Euro erhöhten Jahreseinkommen von Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz durch. Der Hinweis auf die Erhöhung des Jahreseinkommens war übrigens im Vorwege – ups – durchgerutscht – da der geldwerte Vorteil durch Dienstwagen, Versicherung, Spesen-Pauschalen… „übersehen“ wurde. Also ich weiß nicht, ob ich es mir leisten kann, Nachbarin von HJST zu werden, aber auf Boatengs Nachbarschaft hätte ich aus Coolheits-Gründen durchaus mehr Lust, nachdem sogar Snoop Dogg Fan ist.

Und nun haben WIR alle sogar ein eigenes Institut. Nach „meine Universität“ (HSBA), „mein Karneval“ (Morgensprache), „mein Palast“ (Innovationscampus), „mein Archiv“ (Commerzbibliothek), folgt  jetzt „mein Forschungsinstitut“ (HWWI). Trotz aller Bedenken, die von UNS und WIR vorgetragen wurden, hat eine optimistische Mehrheit im Plenum die Gebührengelder der Zwangsmitglieder in die vertrauensvollen Hände der Kammer gelegt, damit diese die Anteile der Universität Hamburg an der HWWI gGmbH für einen Euro übernimmt. Und damit auch das wirtschaftliche Risiko. Übrigens hat das HWWI in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt eine Million Euro Verlust gemacht. Bis spätestens Ende 2017 ist geplant, mindestens einen neuen Mitgesellschafter für das Institut zu gewinnen. Fragt sich nur, warum die UNI HH aussteigt aus dem „HWWI als Leuchtturm der angewandten wirtschaftswissenschaftlichen Forschung in Hamburg“?

Wie steht es jetzt eigentlich? Und für wen?

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