Handelskammer bekommt neue Hauptgeschäftsführerin

 

Christi Degen , Foto: Andreas Harbach, Quelle: Frankenpost.de

Martin Kopp vom Hamburger Abendblatt berichtet am 14.11.2017:

Handelskammer-Präsidium findet nach langer Suche eine neue Hauptgeschäftsführerin

Die Handelskammer Hamburg hat eine neue Hauptgeschäftsführerin. Nach Informationen des Abendblatts hat sich das Präsidium der Kammer in einer Sondersitzung am Montagmittag auf die Anstellung von Christi Degen verständigt. Degen soll den Posten im Dezember übernehmen. Sie war bis Ende April Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Oberfranken in Bayreuth, bis sie dort überraschend gehen musste. Eine offizielle Bestätigung der Personalie gab es nicht. Nach Informationen des Abendblatts soll Degen aber heute offiziell benannt werden. Sie übernimmt die Nachfolge des langjährigen Kammer-Chefs Hans-Jörg Schmidt-Trenz, von dem sich die neue Führung nach den Plenarwahlen im Mai getrennt hat. Schmidt-Trenz war sein hohes Gehalt von 500.000 Euro im Jahr vorgehalten worden. Zudem verkörperte er die „alte“ Kammer, von der sich die neuen Machthaber der Wahlgruppe „Die Kammer sind Wir!“ lösen wollen. Christi Degen soll deutlich weniger Geld bekommen als Schmidt-Trenz. Das Gehalt soll sich am Jahresverdienst eines Wirtschaftssenators inklusive Pensionsansprüchen orientieren. Zuletzt stand ein Gehalt von 150.000 bis 180.000 Euro im Raum.

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Am 1. August 2014 übernahm Degen die Geschäftsführung der IHK Oberfranken.

Allerdings nicht für lange: Im April dieses Jahres trennte sich die IHK von ihr. Wie sie selbst Medien gegenüber sagte, kam die Abberufung überraschend. Ihr Vertrag wäre noch bis 2019 gelaufen. Ein Treppenwitz der Geschichte ist, dass Degen wie auch Schmidt-Trenz ihre Posten unmittelbar nach Kammerwahlen verloren haben. Offenbar gefiel dem neuen Präsidium in Bayreuth Degens Kurs nicht, der sich zum Teil mit den Vorstellungen der Rebellen in der Hamburger Kammer um Präses Tobias Bergmann deckt. Dem „Nordbayerischen Kurier“ sagte Degen, dass sie die IHK modernisieren und mehr auf Unternehmernutzen und Kundenorientierung ausrichten wollte. Dabei wollte sie die Wirtschaftsvertretung auf weniger Themen konzentrieren, aber mehr der insgesamt knapp 50.000 Mitglieder der IHK Oberfranken ansprechen.

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Beruflich erwartet Degen ein schwerer Job, denn die Kammer steckt in einem tiefgreifenden Strukturwandel, den Degen künftig vorantreiben muss: Die geplante Reform der IHK Nord oder der Austritt aus derselben, die in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen sorgten, sind dabei nur ein Thema. Das Präsidium um Bergmann will die Aufgaben der Kammer entflechten und ihr öffentliches Auftreten reduzieren. Schließlich soll sich die Arbeit der Kammer einmal selbst finanziell tragen, sodass die Pflichtbeiträge der Mitglieder abgeschafft werden können.

Als eine ihrer ersten Aufgaben wird sich Degen mit den rund 260 Beschäftigten der Kammer befassen müssen. Viele von ihnen haben den Weggang von Schmidt-Trenz als Verlust empfunden. Zudem sind die Kammermitarbeiter verunsichert, weil sie nicht wissen, wie viele Arbeitsplätze Bergmanns Strukturreform kosten wird.

Wohin der neue Kurs der Handelskammer führt, kann Degen schon am kommenden Freitag beobachten: Dann wird der Bundesverband für freie Kammern (Bffk) erstmals in der Handelskammer auftreten und den Mitgliedern des Plenums ein Fortbildungsseminar anbieten. Worum es geht, ist klar: Der Bffk ist ein Zusammenschluss von kleineren Betrieben und Freiberuflern, die die Zwangsmitgliedschaft in Kammern ablehnen. In der Vergangenheit war der Bffk noch so etwas wie das Feindbild der Handelskammer Hamburg. Daran sieht man, wie sich der Wind in der Wirtschaftsvertretung der Hansestadt seit den Wahlen zum Plenum in diesem Frühjahr gedreht hat.“

Quelle: https://www.abendblatt.de/wirtschaft/article212536461/Eine-Frau-folgt-auf-Schmidt-Trenz.html

November-Plenum: über Haushalt, Absolution und Hoffnung für die Zukunft

 

Beitrag von Andreas Räber. Das November-Plenum tagte am 2.11. und sorgte für Unmut, als es an die Entlastung des alten Präsidiums und Hauptgeschäftsführer ging. Aber der Reihe nach:

Eine neue Regelung für die Aufzeichnung und Übertragung der öffentlichen Plenumssitzung für die nicht freigegebenen Wortbeiträge wurde beschlossen und damit ein weiterer Schritt in Richtung einer rechtssicheren Öffentlichkeit des Plenums gegangen, so wie es das Bündnis Zwangsbeiträge abschaffen – Die Kammer sind WIR! versprochen hat. Der nächste Schritt soll die Klärung einer bezahlbaren Videolösung beinhalten.

Die Berichte von den letzten Delegationsreisen nach China, Montreal und Silicon Valley haben gezeigt, dass Hamburg weiterhin ein weltweit wichtiger und geschätzter Wirtschaftsstandort ist, aber auch noch viel lernen kann von anderen Städten, sei es in Sachen Elektromobilität, digital strukturiertem ÖNV, Digitalisierung oder Start-Up-Förderung. Unter anderem haben die Teilnehmer aus Montreal die Nominierung Hamburgs zur Austragung des ITS Weltkongresses 2021 (Intelligente Verkehrs- und Transportsysteme) mitgebracht. Bis dahin muss in Hamburg sicher noch einiges bewegt werden.

Es scheint ein erhebliches Einsparungspotential zu geben, wenn redundante Aufgaben der 12 norddeutschen Handelskammern im Rahmen der HK-Nord zusammengelegt werden. Dieser Aspekt sollte dringend untersucht und weiter verfolgt werden.

Nach dem Beschluss des alten Plenums, eine neue Compliance-Richtlinie einzuführen, wurde in einem externen Anwaltsbüro eine unabhängige Hinweisgeberstelle eingerichtet. Dort können anonym Hinweise auf Verstöße gemeldet werden. Es ist erfreulich, dass dort bisher noch kein Hinweis eingegangen ist.

Die Tatsache, dass 200 Ausbildungsverträge weniger als im Vorjahr (insgesamt 8862) zustande kamen, muss als Warnsignal verstanden werden und die Aktivitäten der Kammer zur Bewerbung der dualen Ausbildung anspornen. Die Ursachen liegen sicher zumeist darin, dass inzwischen mehr als 50% der Schulabgänger/innen studieren und ein immer größerer Anteil an Anwärter/innen nicht geeignet sind. Letzterer Punkt sollte der Politik zu denken geben.

Nach der Rücküberweisung des Haushaltes 2016 in den Innenausschuss im September, lag nun der korrigierte Entwurf vor. Durch entsprechende Gutachten, musste die Bewertung des HKIC (Handelskammer Innovations-Campus, eine der Wirkungsstätten der HSBA) in den Büchern der Handelskammer um 7,7 Mio. Euro abgewertet werden. Das sind immerhin mehr als 40% der Herstellungskosten. Das dadurch entstandene Minus unter der Bilanz konnte durch vollständige Auflösung der Ausgleichsrücklage von 5,29 Mio. Euro auf -1,29 Mio. Euro begrenzt werden. Jedoch ist damit die Ausgleichsrücklage per 1.1.2017 auf Null gesetzt worden, was ein unerfreulicher Zustand ist und die Kammerfinanzen vor Rückschlägen nicht mehr wie gewünscht schützen kann. Zwar wurde im Nachtragshaushalt 2017 diese Rücklage zwangsweise wieder aufgefüllt, aber natürlich nicht in gleichem Maße. Der Haushalt 2016 wurde nun so festgestellt und der notwendige Nachtrag 2017 beschlossen.

Die dann anstehende Entlastung des alten Präsidiums und des Hauptgeschäftsführers für 2016 wurde kontrovers diskutiert. Das Plenum konnte sich nicht durchringen, der alten Kammerführung eine „wirtschaftliche und sparsame Haushaltsführung“ zu bescheinigen. Der auch in 2016 noch herrschenden Verschwendung von Zwangsbeiträgen eine Absolution zu erteilen, konnten die meisten Plenumsmitglieder nicht folgen. Folgerichtig wurde die Entlastung verweigert. Immerhin wurde noch im Dezember 2016 eine weitere Erhöhung des exorbitanten Gehaltes des HGF für weitere 2 Jahre von der alten Kammerführung abgesegnet. Auch wurde trotz besseren Wissens die nun erfolgte Abwertung des HKIC nicht für notwendig erachtet und so mit falschen Zahlen jongliert.

Nach diesen ganzen unerfreulichen Zahlen, war es eine Wohltat, in einem Vortrag zu den Aktivitäten der Wirtschaftsjunioren von so viel Engagement, sozialem Verantwortungsbewusstsein und Einsatz  sowie Azubi- und Start-Up-Unterstützung zu hören. Hut ab vor dem großartigen Einsatz der 130 ehrenamtlichen Junioren!

Andreas Räber, 2. Nov. 2017

Oktober-Plenum: Schritt für Schritt wird die Handelskammer Hamburg zukunftsfest gemacht!

Die TOP-Themen: HK-Digitalisierungsoffensive, Verkauf der Hochschule HSBA und neue Vergütungsrichtlinie beschlossen.

Am 5. Okt. 2017 haben das neue Plenum und die neue Kammerführung unter der Führung von Tobias Bergmann gleich drei weitreichende Reformen auf den Weg gebracht. Die von der Handelskammer gegründete und in den letzten 10 Jahren zum Teil aus Mitgliedsbeiträgen finanzierte private Hochschule HSBA, die sich auf duale Studiengänge spezialisiert hat, wird verkauft. Gleichzeitig wird das extra für die HSBA ebenfalls aus HK-Mitgliedsbeiträgen finanzierte neue Hochschulgebäude HKIC am Adolphsplatz langfristig an die HSBA vermietet. Damit werden die finanziellen Belastungen und Risiken aus den aus Mitgliedsbeiträgen finanzierten HSBA und HKIC für die Handelskammer zeitlich und von der Höhe her erstmals begrenzt und gleichzeitig die HSBA in eine sichere und wirtschaftlich tragfähige Eigenständigkeit überführt.

Wie schwer es war, das gesamte Verhandlungspaket und die damit zusammenhängenden verschiedenen Interessen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, zeigte sich an der lebhaften Debatte im Plenum: Komplexe Probleme benötigen zuweilen Lösungen, die nicht immer alle zufrieden stellen. Die besten Kompromisse sind diejenigen, die allen ein wenig wehtun. Die Oktober-Plenumssitzung war gleichzeitig ein Meilenstein in der Weiterentwicklung der Kammer-Gremien hin zu gelebter und öffentlich stattfindender Kammer-Demokratie, wohlwissend, daß manche Medien sich gern einzelne Aspekte rauspicken, ohne die Herkules-Leistung des neuen Präsidiums zu würdigen: Ein umfangreiches Vertrags- und Leistungspaket ausgewogen und zukunftsorientiert für alle Seiten in nur wenigen Monaten auszuhandeln und erfolgreich auf den Weg zu bringen. Das sollte jedem, ob Befürworter oder Gegner von Kammerreformen, höchsten Respekt einflössen.

Die neue Vergütungsrichtlinie beendet die Selbstbedienung mit völlig überhöhten Spitzengehältern bei zukünftigen Geschäftsführern der Handelskammer Hamburg. Eines der zentralen vier Wahlziele der Handelskammer-Rebellen vom Bündnis „Die Kammer sind WIR!“. Mit großer Mehrheit wurde vom Plenum die neue Regelung verabschiedet. Die alte Kammerführung hat viele Jahre lang stillschweigend stetig steigende Gehälter und exorbitante Pensionsansprüche des im Mai 2017 zurück getretenen früheren Hauptgeschäftsführers mitgetragen. Einer der Gründe, warum das Plenum in seiner September-Sitzung der alten Führung, also Hauptgeschäftsführer und Präsidium mit Ex-Präses Horst Melsheimer an der Spitze die Entlastung verweigert hat. Ein ungewöhnlicher, aber dringend notwendiger Vorgang aus der Sicht des neuen Plenums, daß nun Schritt für Schritt die finanziellen Altlasten aufräumen muss.

Schließlich wurde die Digitalisierungsoffensive der Handelskammer Hamburg vom Plenum auf den Weg gebracht: Die HK will damit ihre eigenen Prozesse effizienter gestalten und gleichzeitig den Nutzen für die Mitglieder erhöhen. Dazu sollen die eingesetzten CRM-Systeme- und CRM-Prozesse modernisiert und vereinheitlicht werden. CRM-Systeme sind EDV-Werkzeuge, die zentral alle Mitglieder- und Partnerkommunikationen leicht und einfach abrufbar für die verschiedenen HK-Abteilungsteams vorhalten. Auch das Mitgliederkonto mit einer einfachen Übersicht über gezahlte und offene Mitgliedsbeiträge solle zukünftig online angeboten werden. Das Plenum folgte dieser Offensive zur Effizienz- und Nutzensteigerung mit großer Mehrheit.

Matthias Ederhof, 5. Oktober 2017

September-Plenum: Warum die Handelskammer die Rebellen braucht. Verschwendung muss beendet werden!

In der fünften Plenarsitzung nach „der Wende“ haben wir den Weg zu mehr Transparenz und Sparsamkeit fortgesetzt.

Donnerstag ist Kammertag. An diesem 7. September folgte auf die wöchentliche Präsidiumssitzung eine sehr wichtige der monatlichen Plenumssitzungen. Im August war Sommerpause, folglich drängten sich sehr viele anstehenden Entscheidungen dicht auf der > weiter